| Für Sie gelesen... |
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| Hier finden Sie eine Reihe eigener Besprechungen wichtiger Bücher über Wissenschaftsforschung, Ökonomie, Ökologie und Glaubensfragen, die den Besuchern meiner Homepage für die anstehenden politischen Auseinandersetzungen nützlich sein könnten. Sie stehen in engem Zusammenhang mit Problemen, die auf den anderen Unterseiten dieser Präsentation behandelt werden. |
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| Die kommunistische Zukunft der egalitären Demokratie |
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| Edgar L. Gärtner |
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| Das erstmals 1952 erschienene „politische Testament“ des Ökonomen der österreichischen Schule und Schweizer Bankiers Felix Somary galt bei ef nahestehenden Autoren schon länger als Geheimtipp, war aber nicht mehr auffindbar. Nun hat es der TvR-Medienverlag, versehen mit einem alten und einem neuen Vorwort von Otto von Habsburg und Nachworten von Carl J. Burkhardt und Wilhelm Röpke sowie einem Nachruf von Marion Gräfin Dönhoff, mit Zustimmung der Erben neu herausgebracht. Der belesene und weltläufige Somary war nicht nur mit den genannten Persönlichkeiten, sondern auch mit Geistesgrößen wie Joseph Schumpeter, Otto Bauer, Max Weber und Ludwig von Mises eng befreundet. Und er galt schon zu Lebzeiten als Prophet, weil er, überzeugt vom unausweichlichen Machtantritt der Nazis, rechtzeitig Vermögenswerte in Sicherheit brachte. In der Politik hat freilich kaum jemand auf ihn gehört. |
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| „Seit mehr als zwei Jahrtausenden hat man den Gegensatz zwischen Ost und West in Despotie und individueller Freiheit gesehen. Das Christentum, das selbst aus dem Osten kam, aber nur im Westen dauernd wirkte, hatte die Freiheit verallgemeinert. Das dünkte dem westlichen Bürgertum gerade um die Zeit, als es die Weltherrschaft anzutreten schien, nicht genug; es machte den gigantischen Versuch, auch die Souveränität, die unbeschränkte Macht, zu verallgemeinern. Dieses Beginnen ist misslungen, und sein Ende droht, die Scheidewand zwischen Orient und Okzident zu zerstören.“ Konkret: „Die drei großen Ideenbewegungen Europas haben zu Resultaten geführt, die den Absichten ihrer Schöpfer diametral entgegengesetzt waren und sind. Die Kreuzzüge sollten das Heilige Land dem Glauben gewinnen und die Einheit des Christentums dokumentieren; sie führten zum Fall von Konstantinopel und zur Löslösung der westlichen Nationen von der einheitlichen päpstlichen Oberhoheit. Die Reformation focht unter der Devise der Glaubensfreiheit und sie endigte mit stärkster religiöser Diktatur; der Grundsatz des ‚cuius regio, eius religio’, die Aufzwingung des Glaubens durch den Landesherrn, ist der Kernpunkt des Westfälischen Friedens, der diese Epoche beschloß. Ein Jahrhundert später eröffnete das französische Bürgertum den Kampf um die politische und ökonomische Souveränität, der nach vier Generationen zur doppelten Despotie führte.“ |
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| Mit dieser bitteren Bilanz entlarvt Somary, sich vor allem auf Alexis de Tocqueville berufend, den Größenwahn der Jakobiner verschiedener Couleur mit ihrem „Primat der Politik“. Mit de Tocqueville teilt er die Überzeugung von der unvermeidlichen Fortentwicklung der egalitären Demokratie zur kommunistischen Diktatur. In den planmäßig vorbereiteten Weltkriegen des 20. Jahrhunderts habe die kollektivistische Gleichheitsforderung über den Freiheitsdrang der Menschen gesiegt. Das Fortleben der Kriegsmentalität zeige sich nicht zuletzt in der klaglosen Hinnahme konfiskatorischer Steuern. |
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| Im katholischen Mittelalter war das undenkbar. Da konnten die Könige Steuern nur mit Zustimmung der Steuerzahler erheben und diese unterwarfen sich ihnen nur im Austausch gegen nützliche Schutzleistungen. Vermögenssteuern waren nicht durchsetzbar. Die modernen Tyrannen hingegen, betont Somary, verlangen im Namen der Wissenschaft bedingungslose Unterwerfung. „In früheren Generationen war der Staat vom privaten Eigentum abhängig, jetzt hat sich das Verhältnis umgekehrt“, stellte er fest. Das Mittel der Wahl, um diese Umkehrung zu besiegeln, ist das staatliche Papiergeld-Monopol. Kaum jemand rege sich heute noch darüber auf, dass es mit der Abschaffung des Goldstandards „dem Schuldner überlassen wird, die Geldzeichen zu schaffen, die ihn entschulden“, schreibt Somary. |
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| Der 1789 begonnene „Rückfall in die vorchristliche Zeit“ manifestiere sich in zwanzig „Sozialgesetzen der verkehrten Proportion“, legt Somary dar. Da Europa im Gefolge der Weltkriege als weltpolitischer Akteur ausfalle, hänge der weitere Verlauf der Geschichte von der Entwicklung des Verhältnisses zwischen den USA und Russland ab. Der Kommunismus genieße nach dem Sieg der Gleichheits-Idee den Ruf moralischer Überlegenheit. Der amerikanischen Demokratie hingegen falle es schwer, mit den teuersten Soldaten der Welt Krieg gegen arme Länder zu führen. „Das bisherige Streben der Vereinigten Staaten, allen anderen Nationen die Demokratie zu bringen, erwies sich als noble, aber gefährliche Utopie“, stellt Somary fest. Die USA müssten lernen: „Generosität erzeugt nicht Dankbarkeit, sondern das Gegenteil.“ |
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| Felix Somary: Krise und Zukunft der Demokratie. Mit Vorworten von Otto von Habsburg. TvR-Medienverlag, Jena 2010. 154 S. € 12,90 |
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| Empfehlung: |
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| Die australische Kollegin Joanne Nova hat ein sehr nützliches Handbuch für Skeptiker erarbeitet und im pdf-Format zum Herunterladen auf ihren Blog gestellt. Eine deutsche Übersetzung findet sich auf der Internet-Präsentation des Europäischen Instituts für Klima und Energie (EIKE). Der Kollege Robert Grötzinger hat das Handbuch auf ef-online.de besprochen. |
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| Kommunistische Ursprünge der Öko-Bewegung |
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| Der aus gesundheitlichen Gründen zurückgezogen in Süddeutschland lebende Autor Torsten Mann wurde vor zwei Jahren mit dem provokativen Buch „Weltoktober. Wer plant die sozialistische Weltregierung?“ bekannt. Er vertritt dort die These, das durch Michail Gorbatschows „Perstroika“ eingeleitete Ende des „realen Sozialismus“ sei planmäßiges Resultat einer nach dem Tod Stalins eingeleiteten Wende in der Strategie des Weltkommunismus mit dem Ziel, statt durch stalinistischen Terror durch eine Charmeoffensive zur Weltrevolution zu gelangen. Mann stützte sich dabei hauptsächlich auf die Schriften einer Reihe von Überläufern östlicher Geheimdienste wie Michail Goleniewski, Anatoliy Golitsyn, Jan Sejna, Ladislav Bittman, Ion Pacepa, Victor Suworow, Stanislav Lunev, Yuri Bezmenov und Kanatjan Alibekow, von denen einige allerdings im Verdacht stehen, Doppelagenten gewesen zu sein. |
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| In seinem neuen Buch behauptet Mann nun, auch die Öko-Bewegung sei Teil dieser kommunistischen Langzeit-Strategie. Er stützt sich dabei hauptsächlich auf das vom angeblichen Dissidenten Andreij Sacharow 1968 im Westen unter dem Titel „Wie ich mir die Zukunft vorstelle“ veröffentlichte Manifest. Neben anderen Umweltängsten führte Sacharow auch schon die Angst vor einer durch den industriellen CO2-Ausstoß verursachten „Klimakatastrophe“ als zentrales Argument für die Einsetzung einer sozialistischen Weltregierung an. Außerdem schlug Sacharow für die entwickelten Industrieländer eine Öko-Steuer in Höhe von 20 Prozent des Nationaleinkommens vor. Er selbst weist aber an anderer Stelle darauf hin, dass schon vier Jahre zuvor der US-Linke Murray Bookchin Ähnliches publiziert hatte. |
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| Überhaupt scheint Mann den auch im Westen starken Trend zur Bürokratisierung und die damit verbundene Tendenz, kollektivistische Problemdefinitionen zu übernehmen, zu unterschätzen. Es lässt sich nachweisen, dass Grüne Bewegungen fast immer „von oben“ (in Deutschland von Hans-Dietrich Genscher und seinem Staatssekretär Günter Hartkopf) initiiert wurden. In den USA war es ähnlich, denkt man nur einmal an einflussreiche Figuren wie William D. Ruckelshaus, William K. Reilly oder Richard E. Benedick. Ganz zu schweigen von den Machenschaften der Rockefellers und ihrer Stiftungen, auf die auch Mann hinweist. Das relativiert aber seine These, die grüne Bewegung stehe in direkter leninistischer Tradition. |
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| Dennoch ist lesenswert, was Mann an Originalzitaten zusammengetragen hat, die belegen, dass die Öko-Bewegung, im Einklang mit kommunistischen Chef-Strategen, in erster Linie darauf abzielt, das mittelständische Privatunternehmertum zu zerstören, den Westen im Namen sozialistischer Gleichheit zu verarmen und das ganze menschliche Leben total zu kollektivieren. Am deutlichsten werden diese Ziele in der von Michail Gorbatschow, Steven Rockefeller und Maurice Strong, dem Generalsekretär des Rio-Umweltgipfels von 1992, gemeinsam vorgelegten „Erd-Charta“ für eine „nachhaltige globale Gemeinschaft“, die bislang zum Glück nicht durchgekommen ist. Danach soll die UNO zur sozialistischen Weltregierung mit einem internationalen ökologischen Gerichtshof ausgebaut werden. Bei der „Erd-Charta“ handelt es sich um eine Art globaler Morgenthau-Plan. Mann vergisst nicht darauf hinzuweisen, dass dieser letztlich wegen des Kalten Krieges nicht umgesetzte Plan zur Schwächung Deutschlands das Werk des später enttarnten Sowjet-Agenten Harry Dexter White war. Deshalb kann man nur wünschen, dass Manns Buch auch in die Hand ahnungsloser grüner Mitläufer gerät. So manchem von ihnen könnte ein Licht aufgehen. |
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| Torsten Mann: Rote Lügen im grünen Gewand. Der kommunistische Hintergrund der Öko-Bewegung. Kopp Verlag, Rottenburg 2009. 240 Seiten. € 19,95 |
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| (Erschienen in: Eigentümlich frei Nr. 95, September 2009) |
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| Quantenphysik erklärt Evolution und Bewusstsein |
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| Wir sind Zeitzeuge eines fundamentalen Paradigmenwechsels in den Naturwissenschaften. Einsteins Dogma von der Unübertrefflichkeit der Lichtgeschwindigkeit ist im Sommer 2008 in Genf experimentell ins Wanken gebracht worden. Ein Physiker-Team unter Nicolas Gisin konnte zeigen, dass das von Einstein nur als absurde Konsequenz gegnerischer Auffassungen postulierte Verschränkungsprinzip in der Quantenphysik real existiert. Dieses Prinzip besagt, dass zwei Teilchen A und B, die einmal zusammen gehörten, nach der Trennung wie durch Spuk miteinander verbunden bleiben und mit unendlich hoher Geschwindigkeit Information austauschen, selbst wenn der Zeitpunkt der Trennung weit in der Vergangenheit liegt oder die Teilchen mittlerweile Lichtjahre voneinander entfernt sind. Es ist somit auch nicht ausgeschlossen, dass Wirkungen in der realen Welt manchmal ihren Ursachen vorauszugehen scheinen und vielleicht tatsächlich vorangehen. Scheinbar überirdische Phänomene wie Hellsehen oder Liebe auf den ersten Blick werden vermutlich bald erklärbar, ohne dabei etwas von ihrem Zauber zu verlieren. |
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| Die Vermutung, ähnlich dem Dualismus von Teilchen und Welle unterliege auch das Verhältnis von Leib und Seele und somit das Bewusstsein den Regeln der Quantenphysik, ist nicht neu. Der australische Hirnforscher John C. Eccles, ein enger Freund des bekannten Wissenschaftsphilosophen Karl R. Popper, gehörte zu den ersten, die das erkannten. Eccles, der 1963 für seine bahnbrechenden Erkenntnissen über die Erregungsübertragung in den Nervenzellen den Nobelpreis für Medizin erhielt, glaubte stets daran, dass es eine vom Körper unabhängige und unsterbliche Seele gibt. Er dachte, der Geist beeinflusse das Gehirn, indem er auf mikroskopisch kleine Strukturen in der Großhirnrinde, die so genannten Pyramidenzellen, einwirkt. Ausgehend davon, versuchten die US-Forscher Stuart Hameroff und Roger Penrose das Bewusstsein durch den Kollaps der Wellenfunktion in den Mikrotubuli des Gehirns zu erklären. Inzwischen ist auch der Frankfurter Physikprofessor Thomas Görnitz überzeugt, dass Gedanken so real sind wie Atome. |
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| „Über das Verschränkungsprinzip sind wir auf subtile Art und Weise mit jedem x-beliebigen Punkt des Universums verbunden!“, folgert der Chemiker Rolf Froböse in seinem neuen Buch. Anhand weiterer Zeugnisse und Beispiele macht er deutlich, dass sich Leben und Bewusstsein nicht hätten entwickeln können, wenn es nicht seit dem Urknall vor 13,7 Milliarden Jahren einen universellen Quantencode gäbe. Die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung des Lebens durch blinden Zufall beträgt nach Berechnung des Karlsruher Makromolekularchemikers Prof. Bruno Vollmert höchstens eins zu zehn hoch tausend. Eher würde ein funktionsfähiger Pentium-Rechner dadurch entstehen, dass man alle seine Elektronikteile in zigtausendfacher Ausführung von der Aussichtsplattform des Eifelturms auf die Straße würfe. In der Tat konnte man bei endlosen Wiederholungen des 1953 von Stanley L. Miller zum ersten Mal in Chicago durchgeführten Laborexperiments zur Simulierung der Lebensentstehung aus der „Ursuppe“ immer nur Aminosäuren, aber nicht einmal einfachste Eiweißmoleküle gewinnen. Dafür fehlte die Information, die heute durch DNA und RNA übermittelt wird, nach Ansicht Vollmerts ursprünglich aber von Gott gekommen sein muss. |
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| Darwins Selektionstheorie sei deshalb nicht einfach falsch, meint Froböse, sondern beschreibe nur die Übersetzung des universellen Quantencodes, der sich in der Universalität des genetischen Codes widerspiegele. Dabei beruft er sich auf den US-Biochemiker Lothar Schäfer, der die Auffassung vertritt, bei der Anpassung der Lebensformen durch Mutation und Selektion werde nur eine bereits präexistente virtuelle Ordnung von Quantenzuständen aktualisiert. Blinden Zufall lasse der Lebenscode des Universums nicht zu. |
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| Edgar Gärtner |
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| Rolf Froböse: „Der Lebenscode des Universums. Quantenphänomene und die Unsterblichkeit der Seele.“ Lotos Verlag (Random House), München (2009), ISBN 978-3-7787-8211-8, 160 Seiten, Preis: EUR 14.95. |
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| (Erschienen in: Chemische Rundschau Nr. 7-8/ August 2009) |
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| Ökologie der Hoffnungslosigkeit von Edgar L. Gärtner |
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| „Ich will in diesem Buch untersuchen, wie moralisch machbar es ist, nicht nur Staudämme einzureißen, sondern die gesamte Zivilisation abzuschaffen.(…) Jeden Morgen, wenn ich aufwache, frage ich mich, ob ich schreiben oder einen Staudamm sprengen soll.“ Das gesteht Derrick Jensen, ein nordkalifornischer Öko-Aktivist und Bestseller-Autor in seinem nun auf Deutsch vorliegenden programmatischen Buch „Endgame“. Immerhin räumt er im gleichen Atemzug ein, er sei selbst zu feige und technisch zu ungeschickt, um das Programm seines in den USA als „das wichtigste Buch der letzten zehn Jahre“ ausgezeichneten Wälzers auch umzusetzen. Dieser gewährt einen einzigartigen Einblick in die Denkart der in Nordamerika immer zahlreicher werdenden Öko-Fundamentalisten, die den Untergang von Milliarden von Menschen in Kauf nehmen, um ihrem Ziel, der Zerstörung der industriellen Zivilisation, näher zu kommen. |
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| „Leute, die Staudämme in die Luft sprengen, tragen nicht die Verantwortung dafür sicherzustellen, dass Leute, die in bislang mit Wasserkraftstrom geheizten Häusern leben, lernen, wie man über einem offenen Feuer kocht“, erklärt Jensen lapidar. Er bezeichnet sich selbst als romantischen Nihilisten. Dabei ist ihm aber offenbar nicht geläufig, dass „Nihilismus“ nach Friedrich Nietzsche, der den Begriff zwar nicht erfand, aber maßgeblich prägte, nur eine vornehme Umschreibung von Dummheit ist. Jensen bestätigt auf eindrucksvolle Weise Nietzsches Einsicht, indem er die Hoffnung als „tödliches Gift“ brandmarkt. „Wenn die Hoffnung stirbt“, schreibt er, „erkennen Sie, dass das Ich, das mit der Hoffnung gestorben ist, nicht Ihr wirkliches Ich war, sondern ein Ich, das von denen abhängig war, die Sie ausbeuten (…) Das Opfer-Ich stirbt. Und was bleibt übrig, wenn dieses Ich stirbt? Sie bleiben übrig. Das tierische Ich. Das nackte Ich… Das Ich, das nicht denkt, was die Kultur zu denken es gelehrt hat…“ Und weiter: „Wir brauchen die Zivilisation nicht. Wir – Menschen, menschliche Tiere, die in gesunden, funktionierenden Gemeinschaften lebten – haben die allermeiste Zeit unserer Existenz völlig problemlos ohne die Zivilisation existiert. Aber wir brauchen eine lebende Landbasis.“ |
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| Jensen demonstriert auf diese Weise klarer als andere Öko-Nihilisten, wohin man gelangt, wenn man den Menschen nicht als Gottes Ebenbild begreift - und die Zivilisation nicht als Fortsetzung der göttlichen Schöpfung. Wer die Hoffnung, definiert als „Sehnsucht nach einem zukünftigen Zustand, auf den man keinen Einfluss hat“, so gering achtet, redet folgerichtig der Verzweiflung das Wort. Klarer: Jensen versucht die Wut seiner Leser zu schüren und ihnen Mut zu machen für Verzweiflungstaten gegen die verhasste Kultur. Sein Ideal ist die Lebensweise nordamerikanischer Indianerstämme vor der Ankunft des weißen Mannes. Im Unterschied zu den indianischen Hochkulturen in Mittel- und Südamerika mit ihren grausamen Menschenopfer-Riten übten die von der Jagd und vom Fischfang lebenden Stämme des Nordens tatsächlich von Anfang an eine große Faszination auf die Europäer aus. Von keinem Geringeren als Benjamin Franklin ist folgende Klage überliefert: „Kein Europäer, der das wilde Leben geschmeckt hat, kann es hinterher noch ertragen, in unserer Gesellschaft zu leben.“ Nicht von ungefähr versuchten die Pilgerväter, Siedler und Soldaten durch die Aussetzung der Todesstrafe vom Überlaufen zu den ihnen sympathisch erscheinenden Indianerstämmen abzuhalten. |
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| Als Haupthindernis auf dem Weg zurück ins Paradies erscheint Jensen das Christentum. „Ein Zweck des Christentums ist und war es seit jeher, die Unterwerfung unter die Herrschenden zu rationalisieren. (..) Buddhismus und Christentum leisten das, was alle Religionen der Zivilisation leisten müssen, sie naturalisieren die Tyrannei der Kultur“, behauptet Jensen. Nicht nur der Kapitalismus, sondern jede Form der Zivilisation beruhten auf der Besatzung und dem Missbrauch der natürlichen Lebensgrundlagen, meint er. Deshalb vergleicht er seinen Kampf für die Abschaffung der Zivilisation mit dem heldenhaften Aufstand es Warschauer Gettos gegen die Nazis. Den moralischen Pazifismus christlichen, buddhistischen oder hinduistischen Ursprungs lehnt er ab und fordert stattdessen eine „situationsbezogene Moral“ und ein undogmatisches Verhältnis zur Gewalt. Dabei benutzt er seine durch Missbrauch durch den eigenen Vater verdorbene Kindheit implizit als Argument für „mildernde Umstände.“ |
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| Ist die Beschäftigung mit solch abstrusen Ansichten nicht vertane Zeit, wird sich mancher Leser fragen. Die Antwort liegt auf der Hand: Jensen steht mit seinem nihilistischen Ansatz keineswegs allein auf weiter Flur. Die Idee, dass die Entwicklung der Zivilisation an sich die größte Todsünde darstellt, gehört heute zum postmodernen Grundkonsens der vom Wohlstand Verwöhnten. Es gibt sogar eine objektive Allianz zwischen romantischen Nihilisten und jenen Kreisen der Politik und der Hochfinanz, die auf eine dezidiert antichristliche „neue Weltordnung“ hinarbeiten. |
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| Derrick Jensen: Endgame. Zivilisation als Problem. Pendo Verlag. München und Zürich, 2008. 540 Seiten. € 22,90 (D)/€ 23,60 (A)/sFr 41,50. ISBN: 978-3-86612-192-8 |
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| (erschienen in: factum-magazin, Nr. 3/09, Schwengeler Verlag AG, CH-9442 Berneck) |
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| Anti-Grün ist lustig |
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| Der bekannte Mundstuhl-Comedian Lars Niedereichholz (Jahrgang 1968) schwimmt mit seinem bösartig anti-grünen Roman-Erstling mit dem verheißungsvollen Titel „Unknorke“ auf einer Woge des Erfolgs. Auch seine gut besuchten Lesungen, von denen ich eine während der Buchmesse in der Frankfurter Bar „Nachtleben“ genossen habe, sind Kabarettreif. „Unknorke“ bedeutet, wie man sich denken kann, das Gegenteil des im Multikulti-Alternativ-Newspeak für „gut“ stehenden Berlinerischen „knorke“. Es handelt sich beim vorliegenden Roman um die Geschichte des nicht mehr ganz so jungen Volkswirtschaftlers Marc, der nach einem wenig zielstrebigen Studium in der Chefetage der Alternativen Multikulturellen Ökologie Bank (kurz AMÖB) anheuert und gleichzeitig mit seiner hochschwangeren Frau Nadja in ein nagelneues, aber leider undichtes Reihenhaus einzieht. Bald stellt es sich heraus, dass es sich bei der AMÖB um eine chaotisch gemanagte Schwindelfirma handelt, die die Weltverbesserungs-Sehnsucht grüner Naivlinge zu Geld macht. Mehr möchte ich hier von dem pointenreichen und ausgesprochen lustigen Büchlein nicht verraten. Manches erscheint mir allerdings etwas zu dick aufgetragen. |
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| Meine ex-grüne Freundin hat jedenfalls während ihrer täglichen Bahnfahrten zur Arbeit darüber so herzhaft lachen müssen, dass es ihr bald die meisten Stammgäste des Großraumwagens nachtaten und sich ebenfalls das grün-rot eingebundene Büchlein besorgten. Seither hat sich die Stimmung im Pendlerzug nachhaltig verbessert – sofern der Zug wegen Gleisschäden nicht ausbleibt, was seit der Verschiebung des Börsengangs der Bahn leider immer öfter passiert. |
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| Den Roman Wochen nach dem gelungen Abend mit Lars Niedereichholz selber lesend, finde ich, dass er auch ganz gut zur inzwischen ausgeuferten Finanzkrise passt. Es wird nun offenbar, dass einige große Bankhäuser kaum seriöser gewirtschaftet haben als die AMÖB. Kurz: „Unknorke“ könnte den Start einer neuen Literaturgattung markieren, die auf humorvolle Art den Realitätsverlust politisch-korrekter Unternehmen aufs Korn nimmt. Edgar L. Gärtner |
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| Lars Niedereichholz: Unknorke. Roman. Piper Verlag, München 2008. 236 Seiten. € 12,- ISBN 978-3-492-27159-2 |
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| Klimawandel meistern statt scheitern! Jahrbuch 2008 des Club of Home |
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| "Nur die Dummen dämmen", sagt Dipl.Ing. Alfred Eisenschink, der Sprecher des "Club of Home", eines in Berlin registrierten gemeinnützigen Verbraucherschutzbundes von Architekten, Bauingenieuren und Häuslebauern, der seine Mitglieder mit Rat und Tat davor bewahren möchte, im Namen des "Klimaschutzes" in unsinnige "Energiesparmaßnahmen" zu investieren. "Die Verbraucher müssen vor baulichen und gesundheitlichen Schäden infolge des energiepolitischen Verordnungsterrors geschützt werden", sagt Eisenschink. |
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| Club of Home: Meistern statt Scheitern. Chancen des Klimawandels. Jahrbuch 1-2008. GLOOR Verlag. München. ISBN 978-3-938037-07-2 |
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| Club of Home e.V., gemeinnütziger Verbraucherschutzbund. 1. Vorsitzender: Jürgen Minke, Kuno-Fischer-Straße 13, 14057 Berlin, Tel/Fax: +49-30322556. Jahresbeitrag € 60,-.Kontonummer 172 54 517 bei der Kreissparkasse Pullach (BLZ 702 501 50) |
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| Warum der Gärtner keine Chance hat |
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| „Die Leser dieses Buches wissen, dass der Gärtner keine Chance hat. Er denkt nur im Rahmen des menschlichen Maßes.“ Nach diesem ernüchternden Resumé könnte der Rezensent, der nicht nur Gärtner heißt und selbst zwei Gärten pflegt, sondern sich auch zu einer Art von Gärtner-Philosophie bekennt, das Buch des niederländischen Geologie-Professors Salomon Kroonenberg gleich wieder aus der Hand legen. Doch was Kroonenberg als Fachmann für langfristige Betrachtungen seinen Kollegen von der unklar umrissenen Disziplin „Klimaforschung“ ins Stammbuch schreibt, sollte meines Erachtens alle naturwissenschaftlich und politisch interessierten zum Nachdenken bringen. |
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| Kroonenberg möchte mit seinem Verdikt nur klar machen, dass er es für absolut illusorisch hält, die Entwicklung des Klimas bzw. der Durchschnittstemperatur über den Landmassen der Erde durch Drehen am CO2-Schräubchen gezielt beeinflussen zu wollen. Die Menschen haben keine andere Wahl, als sich dem Wechsel von Kalt- und Warmzeiten anzupassen. Dieser wird im Maßstab von zehn bis hunderttausend Jahren vom Milankowic-Zyklus der Erdachsen-Neigung und im Maßstab von Jahrhunderten von Sonnenfleckenzyklen bestimmt. Es gebe kein Grundrecht auf einen konstanten Meeresspiegel. Dieser werde wegen der bis dahin einsetzenden nächsten Eiszeit in 10.000 Jahren mit großer Wahrscheinlich wieder 100 Meter unter dem heutigen Niveau liegen. Dabei schließt Kroonenberg einen untergeordneten Einfluss des atmosphärischen Spurengases Kohlenstoffdioxid (CO2) auf die Temperatur des Bodens und der Luft nicht von vornherein aus. In geologischen Zeiträumen sei der CO2-Gehalt der Atmosphäre aber eher dem Temperaturverlauf gefolgt als umgekehrt. |
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| Keine Gnade findet deshalb Al Gores CO2-Spar-Propaganda-Film „Eine unbequeme Wahrheit“ in den Augen des an der Technischen Universität Delft lehrenden Geologen. Er sieht darin „ein erstaunliches Stückchen Demagogie.“ Gore zeige beispielsweise den austrocknenden Aralsee, erwähne aber nicht, dass man auf dem trocken gefallenen Seeboden ein mittelalterliches Mausoleum gefunden hat. Die Wissenschaftler dürften der Politik nicht den Gefallen tun, Fragen zu beantworten, die sie noch längst nicht gelöst haben. Sie dürften unter keinen Umständen der Illusion Vorschub leisten, durch die Abscheidung von CO2 aus Rauchgasen und dessen Einleitung in den Boden könne irgendjemand in Bangladesh vor dem Ertrinken gerettet werden. |
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| Eiszeiten seien für die Menschen ein weitaus größeres Problem als Warmzeiten, betont Kroonenberg. Mit gebotener akademischer Zurückhaltung, aber doch mit deutlichen Worten bewertet der erfahrene Geologie deshalb die sogenannte Hockey-Schläger-Temperaturkurve von Michael Mann. Dieses vom vorletzten Bericht des UN-Intergovernmental Panel on Climate Change (IPPC) zum zentralen Beweisstück für eine durch die industrielle Revolution ausgelöste katastrophale Überhitzung unseres Planeten hochstilisierte statistische Auswertung von Proxydaten soll belegen, dass die Durchschnittstemperatur der Erde in den letzten tausend Jahren niemals höher war als heute. Dabei verschwindet die historisch gut belegte mittelalterliche Warmzeit in einem schwarzen Loch. „Es könnte sein“, meint Salomon Kroonenberg, „dass Mann noch tief fallen wird und mit ihm auch der IPCC-Bericht, der Manns Kurve als Ausgangspunkt genommen hat.“ |
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| Kroonenbergs Buch bringt aber viel mehr als diese pointierte Stellungnahme zur aktuellen Klima-Debatte. Es verschafft einen guten Überblick über die Entwicklung der Geologie und der Evolutionstheorie. Interessant dabei der Vergleich zwischen geologischen und genetischen Zeitskalen. Dadurch wird deutlich, dass zentrale Rätsel der Evolution noch immer ungelöst sind. Die Empirie spricht bislang mehr für die Kataklysmentheorie von Georges Cuvier als für die Selektionstheorie von Charles Darwin. |
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| Edgar Gärtner |
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| Salomon Kroonenberg: Der lange Zyklus. Die Erde in 10 000 Jahren. Primus Verlag (Wissenschaftliche Buchgesellschaft). Darmstadt, 2008. Geb. 256 Seiten. € 24,90. ISBN 978-3-89678-362-2 |
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| Ist „Bio“ wirklich besser? |
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| Bio-Lebensmittel sind „in“. Selbst bei großen Discounter-Ketten wie „Lidl“ oder „ALDI“ gibt es inzwischen ein reichhaltiges Sortiment an Obst und Gemüse aus ökologischem Anbau. Bei Früchten wie Bananen oder Zitronen haben die Kunden oft gar keine andere Wahl mehr, als zu deutlich teurer Öko-Ware zu greifen. Solange man für sein Geld eine überzeugende Qualität bekommt, ist das kein grundsätzliches Problem. Sind Bio-Produkte aber im Hinblick auf den Geschmack, den Nährwert und ihren Gehalt an Giftrückständen wirklich durchgängig besser? Dieser Frage geht der US-Biochemiker Alex A. Avery in einem gut dokumentierten Sachbuch nach, das in den USA zum Bestseller wurde. Der Jenaer Kleinverlag Thuss & van Riesen hat das Buch jetzt ins Deutsche übersetzen lassen. Das lag insofern nahe, als darin auch die Wurzeln und die Praxis des Öko-Landbaus in deutschsprachigen Ländern eine bedeutende Rolle spielen. Dabei wurden leider einige Flüchtigkeitsfehler übersehen. |
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| Wie sein Vater Dennis T. Avery, der früher als Agarexperte in Leitungsfunktionen verschiedener US-Ministerien tätig war, arbeitet Alex Avery heute für das New Yorker Hudson-Institut, eine bedeutende technikoptimistische Denkfabrik. Alex Avery, der mit seiner Familie nicht in der Großstadt, sondern in einem Agrarbezirk des US-Bundesstaates Virginia lebt, bevorzugt selbst in manchen Fällen Bio-Ware. Er stört sich jedoch daran, dass sich viele Anhänger der Öko-Landbaus nicht als normale Wettbewerber der mit chemischer Hilfe arbeitenden Bauern verstehen, sondern als Erleuchtete, die glauben, ihre Lehre der ganzen Welt als einzig selig machend vorschreiben zu können. |
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| Alle Schulen des „organischen“ Landbaus berufen sich direkt oder indirekt auf den österreichischen Mystiker Rudolf Steiner (1861 bis 1925). Dieser wollte nicht wahrhaben, dass die Entdeckung der Harnstoffsynthese durch Friedrich Wöhler und der Ammoniaksynthese durch Fritz Haber und Carl Bosch dem von Goethe vertretenen Vitalismus, d.h. der Auffassung, der Stoffwechsel in Organismen bedürfe einer besonderen Lebenskraft, endgültig den Boden entzogen hatte. Steiner und seine Nachfolger behaupteten, synthetische Stickstoffquellen seien nur ein schlechter Ersatz für natürlichen Kuhdung und führten zu minderwertigen Lebensmitteln. Der Kuhmist hingegen enthalte Astral-Energie, die die Kuh mithilfe ihrer Hörner aus dem Kosmos empfange. |
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| Avery weist demgegenüber darauf hin, dass Pflanzen Stickstoff grundsätzlich nur in Form anorganischer Ionen aufnehmen können. Organisch gebundener Stickstoff muss erst von Mikroorganismen des Bodens „verdaut“ werden und steht dementsprechend Kulturpflanzen nur eingeschränkt zur Verfügung. Das sei der Hauptgrund für die durchwegs geringeren Erträge der Bio-Bauern im Vergleich zu Wettbewerbern, die Kunstdünger einsetzen. Verfechter des Öko-Landbaus geben das im Allgemeinen auch zu, behaupten aber, ihre schlechter gedüngten Pflanzen seien gesünder für die Menschen. |
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| Auch dafür, so Avery, fehlt jeglicher Beweis. Nachgewiesen ist hingegen, dass Pflanzen aus Mist oder Jauche potenziell gefährliche Bakterien wie Campylobacter aufnehmen, die in ihren Leitgefäßen lange überleben können. Beim Verzehr von Rohkost stellen diese ein ernstes Infektionsrisiko dar. Die US-Gesundheitsbehörden schätzen die Zahl der jährlichen Campylobacter-Infektionen auf fast zwei Millionen. Noch unklarer sei die Beweislage bei Pestizidrückständen, betont Avery. Leider glaubten viele Verbraucher das Märchen, in Öko-Betrieben werde nicht gespritzt. Wer auch nur ein wenig von Landwirtschaft versteht, weiß jedoch, dass das nicht stimmen kann. Vielmehr erweist sich die Vorbeugung und Bekämpfung massenhaften Schädlingsbefalls als Sisyphus-Arbeit, unter der so gut wie alle Landwirte unabhängig von den Landbaumethoden, die sie anwenden, stöhnen. Leider, schreibt Avery, gebe es aber für die meisten der im Öko-Anbau zugelassenen Spritzmittel bis zum heutigen Tage keine schnellen und preiswerten Nachweismethoden. Folglich scheuten die Kontrollbehörden bei Bio-Ware oft den Aufwand und konzentrierten sich auf den Nachweis synthetischer Spritzmittel. |
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| Hier mit zweierlei Maß zu messen, verbiete sich aber schon deshalb, weil etliche der im Öko-Anbau zugelassenen Präparate alles andere als harmlos sind. So ist das im ökologischen Weinbau in größeren Mengen für die Bekämpfung des Mehltaus eingesetzte Kupfersulfat (Bouillie bordelaise) bis zu 1.000 Prozent giftiger als das im Öko-Anbau bislang nicht erlaubte synthetische, aber biologisch abbaubare Fungizid Thiabenzadol. Kupfersulfat verursacht bei Winzern schwere Leberschäden und reichert sich unter den Weinstöcken über die Jahre so stark an, dass schließlich ein kompletter Bodenaustausch erforderlich wird. Das im Bio-Landbau für die Bekämpfung von Schadinsekten eingesetzte Pyrethrum, ein Extrakt von afrikanischen Chrysanthemen, wurde von der US-Umweltbehörde EPA nicht nur als starkes Nervengift, sondern auch als „wahrscheinlich für Menschen krebserregend“ eingestuft. Seine Prüfung auf Gen- und Fortpflanzungstoxizität steht noch aus. Bis vor wenigen Jahren durften Öko-Bauern auch noch Nikotinsulfat einsetzen, das 40-mal giftiger ist als das bei uns schon vor Jahrzehnten verbotene DDT. Sind in Bio-Lebensmitteln keine Pestizidrückstände nachgewiesen, heißt das also noch lange nicht, dass sie unbelastet sind. |
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| Alex Avery beschäftigt sich auch mit der Angst der Europäer vor Hormonrückständen in Rindfleisch, die schon beinahe zu einem Handelskrieg zwischen der EU und den USA geführt hätte. Im Unterschied zu Europa arbeiten amerikanische Farmer bei der Rindermast aus verschiedenen Gründen überwiegend mit kastrierten Tieren (Stieren). Da diese wegen der nachlassenden Sexualhormonproduktion zu unerwünschtem Fettansatz neigen, versieht man ihre Ohren mit einem Hormonimplantat. Beim Schlachten werden diese Ohren entsorgt. Das vermarktete amerikanische Rindfleisch enthält im Schnitt deutlich weniger Sexualhormone als europäisches Rindfleisch, da dieses überwiegend von Bullen in den besten Mannesjahren stammt. Es ist nicht bekannt, dass das Fleisch hormonbehandelter Tiere irgendwo zur Beeinträchtigung der menschlichen Gesundheit geführt hat. Gut dokumentiert ist hingegen, dass Jungen Brüste wuchsen, deren Haut mit ökologischem Lavendel- oder Teebaumöl eingeschmiert worden war. |
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| Schließlich weist Avery auf den enormen Flächenbedarf der Öko-Landwirtschaft hin. Stickstoffmangel wird dort zum Dauerproblem. Viele Öko-Bauern kaufen Kuhdung von konventionell, d.h. mithilfe von Kunstdünger arbeitenden Betrieben. Wer es sich leisten kann, benutzt einen größeren Teil seines Bodens für den Anbau Luftstickstoff fixierender Leguminosen als Grün-Dung. Daher eigne sich der Öko-Anbau nur für die Versorgung von Marktnischen, sei aber in einer Welt mit einer weiter wachsenden Bevölkerung nicht verallgemeinerbar. Dann müsste die ganze Erde unter den Pflug genommen werden und es blieben kaum noch Lebensräume für die wilde Flora und Fauna. Gerade aus Gründen des Naturschutzes müsse die Intensivierung der Landwirtschaft fortschreiten. Große Chancen für die kostengünstige Herstellung gleichzeitig umweltschonender und gesundheitsfördernder Lebensmittel böten Bio- und Gentechnik. |
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| Schade, dass dieser kompetente Beitrag zur Diskussion über die Zukunft der Ladwirtschaft nicht in einem größeren Verlag erschienen ist. Jedenfalls verdient er größere Aufmerksamkeit. Denn im Unterschied zur amerikanischen befindet sich die europäische Debatte zu diesem Thema in einer Sackgasse, aus der bislang niemand einen Ausweg kennt. |
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| Edgar Gärtner (in: Chemische Rundschau, 6/2008) |
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| Alex A. Avery: Die Wahrheit über Bio-Lebensmittel. Verlag Thuss & van Riesen, Jena 2008. € 24,50. ISBN 978-3-940431-01-1 |
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| Zum gleichen Thema sehr empfehlenswert ist auch das Buch meiner Kollegen: |
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| Dirk Maxeiner/Michael Miersch: |
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| Biokost & Ökokult. Welches Essen ist wirklich gut für uns und unsere Umwelt. Piper Verlag, München-Zürich 2008. 237 Seiten. € 14,- ISBN 978-3-492-05100-2 |
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| Es stützt sich zum Teil auf die Originalausgabe des oben besprochenen Buches von Avery, stellt die Vor- und Nachteile von "konventioneller" und Bio-Kost jedoch in Form aktueller Interviews mit Experten unterschiedlicher Disziplinen dar. Dadurch wird das Büchlein, das deswegen volständig auf wissenschaftliche Quellenangaben verzichtet, leichter lesbar als das detailliert dokumentierte Buch von Avery. |
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| Kollege Christian Bartsch aus Dieburg in Südhessen hat Ende des vergangenen Jahres dankenswerterweise in einem Automobil-Infodienst eine Sammelrezension von "Klimaschwindel"-Büchern veröffentlicht, in der neben meinem eigenen Buch "Öko-Nihilismus" auch einige der dort zitierten älteren Werke besprochen werden. |
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| Kein Treibhaus ohne Dach |
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| Hartmut Bachmann, Jahrgang 1924, weiß als ehemaliger Flugzeug-Pilot und Skipper offenbar mehr über Wetter und Klima als viele der vom Staat bzw. von den Steuerbürgern bezahlten Wissenschaftler, die ihre Computerspielereien als „Klimaforschung“ ausgeben. Als Unternehmer in den USA hat er selbst erlebt, wie die New Yorker Schickeria die Angst vor einer „Klimakatastrophe“ als Chance für das große Geschäft mit dem Ablasshandel entdeckte. Dabei überschreitet Bachmann leider die Grenze zur Verschwörungstheorie. Die UNO und ihr Klimarat IPCC ein Instrument des US-Imperiums? (Schön wär’s!) Da bedarf es wohl einiger Differenzierung, um die heftigen Auseinandersetzungen um ein Folgeabkommen zum Kioto-Protokoll von 1997 zu verstehen. Gut nachvollziehbar ist hingegen, wie Bachmann darlegt, dass es einen „Treibhauseffekt“ der Erdatmosphäre, wie er in Europa inzwischen schon Kindern im Vorschulalter eingepaukt wird, nicht geben kann: Der Atmosphäre fehlt schlicht ein Deckel, der die Wärme vom Entweichen in den kalten Weltraum abhält. Bachmann sieht in den Wissenschaftlern und Regierungsvertretern, die im IPCC den Ton angeben, Sektierer, die es nur mithilfe geschickter Medienmanipulation durch Machwerke wie Al Gors Dia-Show „Eine unbequeme Wahrheit“ oder abenteuerliche Hochrechnungen der Kosten des Klimawandels im Report des ehemaligen Weltbank-Präsidenten Sir Nicholas Stern schaffen, ihre absonderliche Weltsicht zur herrschenden Meinung zu machen. Unter den Tisch fällt dabei die Frage, welcher mögliche Nutzen den Kosten in Billionenhöhe gegenübersteht. |
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| Demgegenüber stellt Bachmann u.a. folgende Fragen an das IPCC: „Ohne starke Reduzierung der industriellen Produktivität der Menschheit keine Reduzierung der CO2-Emissionen. Was hat Vorrang? Weshalb hat das IPCC keine Untersuchung darüber parat, welche Energiemengen und damit CO2 auf Erden insgesamt gespart werden könnten, wenn die Erde 2 Grad wärmer würde?“ |
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| Hartmut Bachmann: Die Lüge der Klima-Katastrophe. Frieling-Verlag, Berlin 2007. 254 Seiten. EUR 17,80. ISBN 978-3-8280-2521-9 (erschienen in: eifrei 76/Oktober 2007) |
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| Was der "Klimaschutz" von der Freiheit übrig lässt |
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| Der Hamburger Betriebswirt mit Verbindungen zu einem Hersteller von synthetischem (CO2-neutralen) Diesel hat auf der Basis der offiziellen Lehrmeinung über die Ursachen des Klimawandels ein Szenario über unsere Energieversorgung im Jahre 2055 gebastelt. Es bleibt unerfindlich, warum diese düstere Vision in einem bislang als liberal bekannten Verlag erscheinen musste. Denn für Freiheit ist darin kein Platz. Peters geht wie selbstverständlich davon aus, dass Energie in 50 Jahren so teuer sein wird, dass es keine Privatautos und keinen Ferntourismus mehr gibt. Nur reiche Geschäftsleute können es sich leisten, mit Wasserstoff-getriebenen Hyperschall-Flugzeugen die Welt zu umrunden, um sich mit Wissenschaftlern zu Klima-Konferenzen zu treffen. Peters plädiert mit Leidenschaft für eine Renaissance der Atomkraft – vor allem in Form des inhärent sicheren Hochtemperatur-Reaktors. Dieser eignet sich für die extrem energieaufwändige Erzeugung von Wasserstoff. Dessen Einsatz als Treibstoff werde aber auch in 50 Jahren noch völlig unwirtschaftlich sein, betont Peters. Dennoch gebe es dazu keine Alternative, weil der Netto-CO2-Ausstoß der Menschen bis dahin auf Null gebracht sein müsse, um allmählich wieder zum „vorindustriellen“ CO2-gehalt der Luft von 280 ppm gelangen zu können. Andernfalls werde der Golfstrom, den er für den „Klimamotor“ hält, absaufen. Peters scheint nicht zu verstehen, dass Wetter hauptsächlich durch die Zirkulation von Luftmassen unterschiedlichen Drucks gemacht wird und nicht durch Meeresströmungen. Er scheint nicht zu wissen, dass es außer der über 100 Jahre alten verstiegenen Hypothese eines schwedischen Chemikers keinerlei Hinweis darauf gibt, dass CO2 das Wetter beeinflusst. M.E. zeigt das Buch von Peters vor allem eines: Die Diskussion über eine Energiepolitik mit dem Ziel einer sicheren und bezahlbaren Energieversorgung sollte sauber von der noch lange nicht abgeschlossenen Debatte über mögliche Ursachen des Klimawandels getrennt werden. |
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| Edgar Gärtner (veröffentlicht in: eifrei 76/Oktober 2007) |
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| Klima 2055. Fakten - Illusionen - Visionen |
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| von Lutz Peters, Olzog Verlag, München 2007, 176 Seiten |
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| Preis: EUR 24,90 ISBN-13: 978-3789282041 |
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| Plädoyer für eine evolutionäre Ökologie |
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| Das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven spielt eine wichtige Rolle in der Klimaforschung und wird infolgedessen nicht selten in den Massenmedien zitiert. Aber nur wenige von denen, die heute davon ausgehen, dass das letzte Wort über die Erklärung des aktuellen Klimawandels schon gesprochen ist und es geradezu für unmoralisch erklären, noch an der Schuld des Menschen zu zweifeln, scheinen bereit zu sein, Lehren aus dem Schicksal des Namensgebers des Bremerhavener Instituts zu ziehen. Unsere Schüler lernen, dass Alfred Wegener der Urheber der Theorie der Kontinentalverschiebung ist. Diese beruhte nicht zuletzt auf der durch den Augenschein gestützten Vermutung, dass Afrika und Südamerika vor vielen Millionen Jahren einmal zusammengehangen haben müssen. |
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| Heute dient diese später als „Plattentektonik“ bekannt gewordene Theorie als Standarderklärung für Bewegungen der Erdkruste wie die Verschiebung der Kontinente, die Auffaltung von Gebirgen, den Ausbruch von Vulkanen und die Entstehung von Tsunamis. Als Alfred Wegener seine Theorie im Jahre 1910 erstmals vorstellte, stieß er jedoch bei den Geologen auf höfliche Skepsis, wenn nicht auf kalte Ablehnung, denn er war von Hause aus selbst kein Geologe, sondern „nur“ Meteorologe und Geograf. Den vermeintlichen Todesstoß erhielt Wegeners Theorie vom führenden britischen Seismologen Sir Harold Jeffreys, der mithilfe von viel Mathematik herleitete, warum die von Wegener angenommene Verschiebung der Kontinente unmöglich sei. Erst in den 70er Jahren, als Wegener schon lange auf einer Grönlandexpedition, sich für einen Kameraden opfernd, gestorben war, setzte sich die Theorie des geologischen Amateurs allgemein durch. |
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| Der inzwischen emeritierte führende französische Geophysiker Claude Allègre, der unter dem sozialistischen Premierminister Lionel Jospin für einige Jahre die undankbare Aufgabe des Erziehungs- und Forschungsministers übernommen hatte, zieht in seinem vor wenigen Monaten erschienenen Buch „Ma vérité sur la planète“ (Meine Wahrheit über unseren Planeten) eine Parallele zwischen der Situation Alfred Wegeners und der heutigen Lage solcher Klimaforscher, die sich wie sein Parteifreund, der ebenfalls emeritierte Geograf und Klimatologe Marcel Leroux, lieber auf das verlassen, was ihre Augen (in Gestalt von Satellitenfotos) sehen, als auf die undurchschaubare Mathematik rein numerischer „Klimamodelle“, die als Grundlage für Computersimulationen dienen. |
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| „Das Wort ‚Konsens’ sollte aus dem Vokabular der Wissenschaft gestrichen werden“, folgert Claude Allègre aus der unglücklichen Geschichte der Theorie Alfred Wegeners. Denn es gibt viele weitere Fälle, in denen Außenseiter am Ende recht behielten. Allègre selbst möchte sich als versierter Naturwissenschaftler der „Konsensmeinung“ des Weltklimarates IPCC, die dem Spurengas Kohlenstoffdioxid (CO2) eine Schlüsselrolle in der Atmosphäre zuschreibt, nicht anschließen. Er hält deshalb auch die „Klimamodelle“, die sich darauf stützen, nicht für brauchbar. Und er bezweifelt die Aussagefähigkeit des in diesen Modellen in den Vordergrund gerückten Parameters „globale Durchschnittstemperatur“. Denn die verstreuten Messwerte, aus denen diese berechnet wird, sind wegen des möglichen Einflusses städtischer Wärmeinseln höchst umstritten. Erst kürzlich musste die NASA ihre Temperaturreihe korrigieren. Nun erscheint auf einmal nicht mehr das Jahr 1998, sondern 1934 als das wärmste Jahr der Neuzeit. Die Korrelation zwischen dem CO2-Gehalt der Atmosphäre und der Temperatur wird, sofern überhaupt vorhanden, immer schwächer. |
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| Allègre entwickelt seine Kritik der derzeit als politisch korrekt geltenden „repressiven“ Ökologie und eine darauf aufbauende Skizze einer freiheitlichen, „evolutiven“ Ökologie am Beispiel des „Ökologie-Paktes“, den der bekannte französische Fernseh-Moderator Nicolas Hulot im Frühjahr dieses Jahres während des letzten französischen Präsidentschafts-Wahlkampfes in die Diskussion brachte. Dieser „Pakt“ wurde von allen Bewerbern für das Präsidentenamt (selbst von der kommunistischen Kandidatin und vom Rechtsausleger Jean-Marie Le Pen) unterschrieben. Die gesamte politische Klasse Frankreichs gibt sich heute also grün. „Würde das Programm Nicolas Hulots umgesetzt“, warnt Claude Allègre, dann bekämen wir in den nächsten zehn Jahren jedes Jahr einige Hunderttausend zusätzliche Arbeitslose in der Automobilindustrie, im Transportgewerbe, in der Landwirtschaft. Es käme zu einem System der Rationierung, das Frankreich seit der deutschen Besatzung nicht mehr erlebt hat.“ |
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| Der Geophysiker nimmt sich auch den ihm persönlich bekannten früheren US-Vizepräsidenten Al Gore vor, den er offen einen „Truand“ (Ganoven) nennt, weil dieser sich in Wirklichkeit mehr um seine Milliardengeschäfte mit heißer Luft als um die Zukunft des Planeten sorge. Allègre zeigt, dass die Machenschaften Al Gores (Angstmache und Ablasshandel) durch das in der Rio-Deklaration von 1992 schlecht definierte „Vorsorgeprinzip“ gedeckt werden. Vor allem die EU sei nach und nach davon abgerückt, Vorsorgemaßnahmen von wissenschaftlichen Risikobewertungen abhängig zu machen. So könnten nun beliebige Ängste als Rechtfertigung für teure Ersatzhandlungen im Namen der Vorsorge dienen. |
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| Was das Thema „Klimawandel“ angeht, hält Allègre nicht viel vom Vergleich globaler Durchschnittstemperaturen. Vielmehr verweist er auf den schon genannten französischen Klimatologen Marcel Leroux, der aufgrund der Auswertung Tausender von Satellitenfotos feststellte, dass sich in den letzten Jahrzehnten die Zirkulation kalter Luftmassen, die an den Polen entstehen, beschleunigt hat. Diese Beobachtung weise eher auf eine bevorstehende Abkühlung als auf eine Fortsetzung des leichten Erwärmungstrends der vergangenen 150 Jahre hin. Was auch kommen möge, es sei auf jeden Fall vernünftiger, sich daran anzupassen, als sich für einen ebenso teuren wie aussichtslosen Widerstand gegen den Wandel zu entscheiden, betont Allègre. „Es besteht weder für Frankreich noch für Europa die Notwendigkeit, die CO2-Emissionen drastisch zu senken, denn der ökonomische und soziale Preis, der dafür bezahlt werden müsste, ist zu hoch. Das umso mehr, als es keinerlei Anzeichen für ein ähnliches Vorgehen der USA, Chinas und Indiens gibt“, schließt Allègre. Das sieht die theoretische Physikerin Angela Merkel anders. Warum nur? |
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| Edgar Gärtner (in: Chemische Rundschau, 2007) |
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| Claude Allègre: Ma vérité sur la planète ; Editions Plon, Paris 2007. ISBN: 978-2-259-20675-4. 240 S. € 18,- |
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| Vom Schwarzen zum Grünen Tod |
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| Das durch Science fiction (Rachel Carsons „Silent Spring“) und eine darauf aufbauende „grüne“ Heilslehre begründete weltweite DDT-Verbot hat dazu geführt, dass jahraus, jahrein etwa eine halbe Milliarde Menschen an Malaria erkrankt, wovon etwa drei Millionen sterben. Es brauchte Jahrzehnte, bis die Top-Bürokaten der Weltgesundheitsorganisation WHO einsahen, dass die beschränkte Wiederzulassung des umstrittenen chlorierten Insektizids für die Innenraumanwendung der einzige bezahlbare und verlässliche Weg ist, um die Ausbreitung der Krankheit vor allem in Afrika zu stoppen. Das DDT-Verbot zeigt am drastischsten, wie gut gemeinte politische Eingriffe in den Welthandel unter dem Banner der „nachhaltigen Entwicklung“ und des „Vorsorgeprinzips“ die gesundheitliche und wirtschaftliche Entwicklung ganzer Kontinente hemmen und die Lösung dringender Menschheitsprobleme erschweren, wenn nicht gänzlich vereiteln können. |
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| Der US-amerikanische Ökologe und Jurist Paul K. Driessen setzt sich in seinem 2004 in den USA erschienen Buch „Öko-Imperialismus“ mit dem inzwischen auch im alten Europa beobachtbaren Trend auseinander, eingängige „grüne“ Ideologeme für das große Geschäft zu nutzen. Nun hat ein Mini-Verlag Driessens in der anglo-amerikanischen Welt zum Bestseller gewordenes Buch ins Deutsche übersetzt und bei der Gelegenheit aktualisiert und an die europäische Diskussion angepasst. Driessen macht vor allem auf folgendes aufmerksam: Der internationalen „grünen“ Bewegung, die immer noch im Gehabe einer benachteiligten Minderheit auftritt, steht inzwischen ein Budget von schätzungsweise 8 Milliarden Dollar zur Verfügung. Es handele sich also um eine multinationale Industrie, die aber (im Unterschied zur „bösen“ Öl- und Chemieindustrie) keinerlei Transparenz- und Haftungsregeln unterliegt. Auf Hauptversammlungen großer Konzerne setzen gut koordinierte „kritische Aktionäre“ immer öfters wirtschaftsfeindliche Anträge durch. Um ihre Kritiker zu besänftigen, bekennen sich Konzernchefs, die Geschäftsinteressen der Aktionäre missachtend, zur „Corporate Social Responsibility (CSR)“, die nicht selten auf schnöden Protektionismus hinausläuft und den Armen in Afrika und Asien manchmal mehr schadet als der Kolonialismus unseligen Angedenkens. |
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| „Das Vorsorgeprinzip zwingt den Menschen in der Dritten Welt die Ideologien und die unbegründeten Phobien satter Aktivisten entwickelter Länder auf, um umfassende Nutzungsbeschränkungen bei Chemikalien, Pestiziden, fossilen Energieträgern und Biotechnologie für jene zu rechtfertigen, die sich diese Verbote am wenigsten leisten können“, schreibt Driessen. Als Beleg für diese Behauptung führt er u. a. das von einer Hungerkatastrophe bedrohte Entwicklungsland Sambia an, dessen Präsident Levy Mwanawasa auf Druck so genannter Nichtregierungsorganisationen (NGO) und der Europäischen Union eine Hilfslieferung aus den USA zurückwies, da diese gentechnisch optimierten Mais enthielt. |
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| Driessen zeigt an weiteren Beispielen: Wer Eigentumsrechte mit Füßen tritt und den freien Welthandel beschneidet, nimmt - gewollt oder ungewollt - wachsende Armut in Kauf und setzt Millionen von Menschenleben aufs Spiel. So gilt etwa die Baseler Konvention über den grenzüberschreitenden Verkehr mit gefährlichen Abfällen als wirksame Vorsorgemaßnahme, um Giftmüllskandale wie zuletzt an der Elfenbeinküste zu verhindern. Übersehen wird dabei gerne, dass dieses Abkommen armen Ländern gleichzeitig Einkommensmöglichkeiten in der arbeitsintensiven Recycling-Industrie verschließt. |
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| Einen besonderen Platz nimmt in Driessens Buch die Kritik am „Greenwashing“, dem Grünfärben der Investitionspolitik von Energiekonzernen, ein. Man kann darüber - angesichts des schwierigen Umfelds, in dem die Privatwirtschaft heute agieren muss - verschiedener Meinung sein. Als jedenfalls abschreckendes Beispiel führt Driessen die „Beyond Petroleum“-Werbekampagne des Öl-Konzerns BP an. Obwohl unter dessen inzwischen zurückgetretenen Chef Lord Browne 99,6 Prozent der Investitionen von BP in den Erwerb anderer Öl-Konzerne und die Erschließung neuer Ölquellen und nur der kleine Rest (weit weniger als die Werbekampagne kostete!) in die Solarenergie flossen, versuchte Browne den Eindruck zu erwecken, es sei umgekehrt. Zu allem Überfluss vernachlässigte BP, wie inzwischen von einer unabhängigen Untersuchungskommission bestätigt, die Wartung seiner Bohrinseln, Pipelines und Raffinerien. So kam es zu tödlichen Unfällen, Großhavarien und zuletzt im Sommer 2006 zu einem gefährlichen Leck in einer Pipeline in Alaska, das zu wochenlangen Lieferausfällen auf dem ohnehin schon angespannten US-Ölmarkt führte. In der Folge steht BP’s Erzrivale ExxonMobil heute (zumindest in der amerikanischen Öffentlichkeit und an der Börse) als weitaus besser da, obwohl er nie versucht hat, mit dem grünen Zeitgeist ins Bett zu gehen. |
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| Driessen hat also allen Grund, Anleger vor Investmentfonds zu warnen, die ihre Aktienkäufe nicht entsprechend eines gesunden Geschäftssinnes, sondern nach vermeintlich ethischen Kriterien des „Klimaschutzes“ und der „Nachhaltigkeit“ ausrichten. Zu den Stars der Nachhaltigkeitsfonds gehörten (wohl nicht zufällig) Konzerne wie Enron, WorldCom und Global Crossing, die inzwischen zu Lehrbuchbeispielen für Investorenbetrug geworden sind. Im Jahre 2006 hat der Absturz eines Fonds, der auf eine (klimabedingte) Zunahme der Zahl schwerer Hurrikane spekuliert hatte, Driessens Warnungen bestätigt. |
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| Edgar Gärtner (in: Chemische Rundschau, 2006) |
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| Paul K. Driessen: Öko-Imperialismus. Grüne Politik mit tödlichen Folgen. TvR Medienverlag, Jena 2006, 220 Seiten. € 19,-. ISBN-10: 3-00-018838-X |
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| ----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------Michael Crichtons verhinderter Bestseller |
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| Was dem dänischen Statistiker Björn Lomborg mit seinem Buch „Apokalypse No“ in Deutschland nicht gelang, hätte doch nun vielleicht in Ansätzen dem vor allem durch die erfolgreich verfilmte Horror-Vision „Jurassic Park“ bekannt gewordenen US-Bestsellerautor Michael Crichton gelingen sollen: Die Einsicht zu befördern, dass die vorgeblich einzig um das Überleben der Menschheit besorgten Warner vor einer drohenden Klimakatastrophe nicht nur unglaubwürdig, sondern auch gefährlich sind, weil sie lähmende Angst verbreiten, die zur Zementierung überkommener Machtverhältnisse ausgenutzt wird. Damit liefert Crichton gleich das Drehbuch für einen Film, dessen Anliegen dem des Horrorfilms „The Day After Tomorrow“ von Roland Emmerich gerade entgegengesetzt wäre. |
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| Vermutlich war das der wichtigste Grund für den Versuch deutscher Literaturkritiker, die Leserschaft schon vor der Auslieferung des Buches gegen den Tenor von Crichtons Argumentation zu immunisieren, indem sie den Plot des Romans als wenig einfallsreich und die Figuren als blass und gefühllos gezeichnet hinstellten. Als hätte Crichton jemals den Anspruch erhoben, einen schöngeistig inspirierten und tiefenpsychologisch fundierten Bildungsroman geschrieben zu haben! Thriller sind nun mal ein ganz anderes Genre. Sie müssen sich vor allen Dingen daran messen lassen, ob sie die Leser fesseln oder langweilen. Ich selbst fand Crichtons Geschichte immerhin so spannend, dass ich das nicht gerade dünne Buch in einem Zug verschlang, wenngleich ich nicht behaupten würde, das sei die aufregendste Lektüre meines Lebens gewesen. |
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| Im Unterschied zu „Jurassic Park“ fällt Crichtons neues Buch nicht in die Kategorie „Science fiction“, denn alle Forschungsergebnisse, Temperatur- und Meeresspiegelmessungen, die Crichton zitiert, sind echt. Die meisten stammen aus angesehenen und des „Klimaskeptizismus“ völlig unverdächtigen Wissenschaftsmagazinen wie „Science“. Erfunden ist nur die Romanhandlung, in deren Verlauf diese Forschungsarbeiten eine Rolle spielen. Auffällig ist an Crichtons Plot nur, dass zur Abwechslung mal die „Guten“, die um den „Klimaschutz“ besorgten Mitglieder von Umweltverbänden, die Rolle von Bösewichten spielen. Originell oder provokativ kann das nur jenen erscheinen, die abstreiten, dass Gutmenschen seit je zur Skrupellosigkeit neigen. |
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| Das Grundgerüst der Handlung ist rasch skizziert: Die Anführer des (von Crichton realitätsnah erfundenen) National Environmental Resources Fund (NERF) beginnen daran zu zweifeln, ob die in Computern simulierte globale Erwärmung bei Normalmenschen genügend Angst und Spendenbereitschaft erzeugen kann. Um den auf einer großen Klimakonferenz ausgesprochenen Warnungen vor einer Häufung von Naturkatastrophen infolge der globalen Erwärmung etwas nachzuhelfen, versucht die von NERF heimlich finanzierte terroristische Environmental Liberation Front mithilfe von High Tech Equipment unter anderem einen Tsunami auszulösen, der just während der Klimakonferenz die kalifornische Küste zerstören soll. George Morton, ein philantropischer Millionär, der NERF unterstützt, wird von John Kenner, einem heldenhaften, eigens gegen den Ökoterrorismus eingesetzten Geheimdienstagenten, darüber aufgeklärt, wohin sein Geld fließt. Gemeinsam mit einem naiv-ehrlichen, für NERF arbeitenden Anwalt und einigen ebenso attraktiven wie körperlich fitten Freundinnen versuchen sie, das Unheil aufzuhalten... |
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| Man kann über diesen Plot, wie gesagt, unterschiedlicher Meinung sein. So mag sich mancher fragen, warum Crichton nicht der Versuchung widerstanden hat, ausgerechnet einen schicken Hollywood-Gutmenschen, der abstreitet, dass es jemals Kannibalismus gegeben hat, auf einer abgelegenen Südseeinsel als einzige Romanfigur Menschenfressern zum Opfer fallen zu lassen. Wichtiger ist Crichtons Botschaft: politisierte Wissenschaft ist gefährlich. Crichton unterstreicht das mit einem Exkurs über die Eugenikforschung im 20. Jahrhundert, die nicht nur von den Nazis, sondern auch von großen US-amerikanischen Stiftungen wie der Rockefeller Foundation und linken wie rechten Parteien in allen Teilen der Welt gefördert wurde. In kaum einem Teil der Welt wurden mehr Zwangssterilisationen durchgeführt als in Kalifornien. Die deutsche Wissenschaftshistorikerin Ute Deichmann, auf deren Studie „Biologen unter Hitler“ Crichton sich beruft, hat nachgewiesen, dass es auch im „Dritten Reich“ keinerlei direkter politischer Weisungen bedurfte, um die gesamte Biologie in eine rassistische und eugenische Richtung zu drängen. Die Biologen haben sich selbst gleichgeschaltet, sobald die Eugenik allenthalben als wohlmeinend und „politisch korrekt“ galt. |
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| Ähnliches sei seit den 70er Jahren auch in der Klimaforschung abgelaufen, erklärt Crichton seinen Lesern. Denn schon bald hinterfragte kaum ein Forscher noch die Annahme, die in den letzten Jahrzehnten gemessene leichte Zunahme der Durchschnittstemperatur über den Landmassen der Erde hänge in der Hauptsache mit der steigenden Konzentration des Spurengases Kohlendioxid in der Atmosphäre zusammen und führe zu einer katastrophalen Vermehrung von Wetterextremen wie Stürmen, Überschwemmungen oder Trockenzeiten. Dabei legen es historische Erfahrungen und der gesunde Menschenverstand eher nahe, eine mäßige Erwärmung als Segen zu betrachten, weil das unter anderem reichere Ernten und weniger Erkältungskrankheiten bedeutet. |
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| Doch daraus könnten Normalsterbliche ja schließen, es sei besser, den Dingen ihren Lauf zu lassen und die Milliarden, die jetzt in Europa über Energiesteuern und die Zwangsbeteiligung von Betrieben am Emissionshandel im Namen des „Vorsorgeprinzips“ für den „Klimaschutz“ mobilisiert werden, als hinausgeworfenes Geld zu betrachten, das in den Taschen einer selbsternannten Klima-Priesterschaft verschwindet. Deshalb müssen die Regierenden alles daran setzen, der Angst vor einer drohenden Klimakatastrophe ständig neue Nahrung zu geben. Und von öffentlichen Geldern abhängige Wissenschaftler tun ihnen in der Überzeugung, damit etwas Gutes zu tun, noch immer den Gefallen, mithilfe undurchschaubarer Computermodelle passende Ergebnisse zu liefern. |
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| Leider hat sich Crichtons Buch nicht lange in den deutschen Bestsellerlisten halten können. Und das, obwohl einige seiner Aussagen inzwischen eindrucksvoll bestätigt wurden. So ist die sogenannte Hockeyschläger-Kurve der Entwicklung der durchschnittlichen Erdtemperatur in den letzten 1.000 Jahren, die zeigen sollte, dass die Industrialisierung seit dem 19. Jahrhundert einen Temperatursprung ausgelöst hat, als statistisches Artefakt entlarvt worden. Es bleibt den Befürwortern einer „Klimapolitik“ kein einziges Argument. Offenbar sind die Europäer in ihrer großen Mehrheit aber schon so weit gegenüber belastbaren Fakten immunisiert, dass sie eher bereit sind, das zu glauben, was aus großen Computern kommt. So wächst die Gefahr eines Glaubenskrieges über Klimafragen. |
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| Michael Crichton: Welt in Angst. Roman. Aus dem Amerikanischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann. 608 Seiten mit zahlreichen s/w-Abbildungen. Geb., € 24,90. ISBN 3-89667-210-X |
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